Noch ein Sieg? Kaum auszudenken

HANDBALL Drittligist Gedern/Nidda tritt weite Reise nach Chemnitz an

GEDERN – / (flo). Zwei Spiele, zwei Siege – mehr geht nicht. Die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda haben in der 3. Liga Ost einen perfekten Start hingelegt. Der Lohn: Tabellenplatz zwei. Das ist freilich eine schöne Momentaufnahme, mehr aber noch nicht. Die vier bisher eingesammelten Punkte nähren die Hoffnung, eine weitgehend sorgenfreie Saison zu spielen. Selbstverständlich will die Mannschaft von Trainer Christian Breiler nun weiter nachlegen. Die nächste Aufgabe wartet am morgigen Sonntag (15 Uhr, Sachsenhalle) mit dem Gastspiel bei Aufsteiger HV Chemnitz.

Sonntag, 15 Uhr HV Chemnitz – HSG Gedern/Nidda

Nicht nur der Spielgemeinschaft, sondern auch Chemnitz gelang mit einem 21:21-Remis gegen Birkenau und dem 25:20-Erfolg bei Mitaufsteiger Plesse-Hardenberg ein guter Auftakt. 3:1 Zähler stehen für die Sächsinnen, wohl der stärkste der drei Neulinge, zu Buche. Die Aufstiegseuphorie hat Chemnitz, das im Vorjahr mit sage und schreibe 44:0 Punkten Oberligameister wurde, vor dem zweiten Heimspiel jedenfalls weiterhin im Rücken. „Die Mannschaft, die gewinnt, wird sich erstmal im oberen Drittel festsetzen“, befindet Breiler.

Der HSG-Trainer betont: „Wir müssen in der Abwehr und im Angriff von Anfang an da sein.“ Und das nach etwa 360 Kilometern im Bus. Defensiv wollen die Wetterauerinnen natürlich an die Leistungen der beiden letzten Partien anknüpfen. Weil die 6:0-Formation sowohl zuhause gegen Fritzlar als auch in Kriftel gut funktionierte, kam bislang kein offensives Abwehrsystem zum Zuge. Das lag ein Stück weit auch am eigenen Personal. Mit Jessica Schmeißer, die aufgrund einer Schambeinentzündung für unbestimmte Zeit ausfällt, fehlt eine abwehrstarke Spielerin, die in der 3:2:1 die Hinten-Mitte-Rolle bekleiden könnte. Außerdem: „Hanna Rösner fühlt sich in der 6:0 wohler und Kirsten Schindler ist auf der Halbposition in der defensiveren Abwehrformation besser als in der offensiven“, erklärt der Übungsleiter. Die Mannschaft ist aber gefestigt genug, die Deckung bei Notwendigkeit umzustellen. Breiler sagt: „Es werden sicher auch Spiele oder Phasen kommen, in denen wir es verändern.“ Im Angriff brauchte Gedern/Nidda in beiden bisherigen Partien ein paar Minuten, um auf Touren zu kommen. In Kriftel machte man sich das Leben mit vielen technischen Fehlern schwer. „Das dürfen wir uns in Chemnitz nicht leisten“, mahnt der Trainer, der wieder auf Rückraumspielerin Johanna Becker zurückgreifen können wird.

Für die HSG ist Chemnitz ein gänzlich neues Gesicht. Die Analyse gestaltete sich obendrein schwierig, weil beim jüngsten Auswärtsspiel gleich drei Akteurinnen nicht an Bord waren. Klar ist das Grundprinzip: Aus einer kompakten Abwehr zieht der Aufsteiger ein starkes Umschaltspiel in der ersten und zweiten Welle auf. Eine der Besten ist unbestritten Mittelfrau Catrin Grützmann. Die zweitligaerprobte 33-Jährige überzeugt mit Wurfstärke und -variation, erzielte zuletzt einmal vier und einmal acht Tore. Ebenfalls zu beachten: Kreisläuferin Melanie Beckert. Die 28-Jährige bringt viele Jahre Zweitligaerfahrung aus Zwickau und Rödertal mit, wechselte 2015 aus beruflichen Gründen nach Chemnitz und ist eine der Leistungsträgerinnen. In der Vorwoche fehlte Beckert jedoch. Auch die Atmosphäre in der nach dem Aufstieg leicht umgebauten Sachsenfalle könnte ein Faktor werden, beim ersten Heimspiel sorgten 345 Zuschauer für Stimmung.

„Es wäre Wahnsinn, wenn wir jetzt nochmal etwas holen würden“, meint Breiler. Mit einem Sieg in Chemnitz würde Gedern/Nidda die Tabellenführung übernehmen. Diese exponierte Position hatte sie letztmals 2012 inne. Damals wohlgemerkt in der Oberliga. Es wäre die nächste schöne Momentaufnahme.

Quelle: Kreis-Anzeiger (07.10.2017)