„Die habe ich also schon da oben gesehen“

GIESSEN – Die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda haben in dieser Saison ziemlich viel zu feiern. Mit 18:0 Punkten führen die Wetterauerinnen die Tabelle der 3. Liga Ost an. Eine ist beim Jubeln immer ganz vorne dabei: Kreisläuferin Leonie Nowak. Am Sonntag (17 Uhr) kehrt die Wetzlarerin mit der HSG zum Spitzenspiel bei der SG Kleenheim an ihre vormalige Wirkungsstätte zurück.

Stimmungskanone, emotionale Leaderin, Abwehrchefin – man könnte für die Rolle, die Nowak bei der Spielgemeinschaft aus Gedern und Nidda einnimmt, so einige Beschreibungen finden. Dass die Mannschaft von Trainer Christian Breiler derart erfolgreich ist, hängt zwar vor allem mit dem starken Kollektiv, aber eben auch mit der 27-Jährigen zusammen. Im Sommer wechselte sie zum zweiten Mal in die Wetterau, zuvor verbrachte Nowak, groß geworden bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, ein Zweitligajahr in Oberkleen. Und machte in diesem nochmals einen Sprung nach vorne. „Leonie“, lobt Breiler, „ist im Abschluss variabler geworden, ist im Fangverhalten noch eine Stufe stärker geworden und hat physisch zugelegt.“ 28 Mal hat die Kreisläuferin bislang getroffen.

Nowaks große Stärke: Die Abwehr. Gemeinsam mit der bei der HSG Hungen/ Lich ausgebildeten Hanna Rösner bildet sie einen bärenstarken Mittelblock. „Von ihrer Persönlichkeit her tut sie jeder Mannschaft gut. Sie kann eine Mannschaft mitreißen und eine Abwehr führen. Sie hat diese Eigenschaft, dieses Gen“, sagt der HSG-Trainer. Weil Nowak mit unheimlich viel Hingabe und Leidenschaft verteidigt, weil sie keinen Zweikampf scheut, weil sie jedem Ball hinterherhechtet, weil sie sich mit viel Fleiß und Ehrgeiz immer weiter verbessern will. Ihren Spielstil charakterisierte Nowak einst so: „Ich gebe im Spiel und bei jeder Übung im Training hundert Prozent und kämpfe bis zum Umfallen.“ Davor wird auch die SG Kleenheim nicht gefeit sein. Verbindungen zu den Ex-Kolleginnen bestehen freilich noch. „Ich war in dieser Saison schon mehrmals in der Halle und stehe schon im Kontakt mit den Mädels. Da haben sich Freundschaften ergeben“, erzählt Nowak. Die Punkte jedoch will Gedern/Niddas Leistungsträgerin aber aus Oberkleen entführen.

Frau Nowak, in der vergangenen Saison spielten Sie noch bei der SG Kleenheim. Mit welchen Gefühlen kehren Sie am Sonntag an die alte Wirkungsstätte zurück?

Ich freue mich auf das Wiedersehen, ich hatte mit der Mannschaft zusammen echt ein schönes Jahr. Und es spielen ja doch auch noch einige dort.

Das Zweitligajahr bei der SGK war gewiss eine spannende Erfahrung. Vermissen Sie die zweite Liga denn?

Klar. Ich glaube, als Sportler will man immer nach dem Höchsten greifen. Da ist die zweite Liga einfach noch mal eine ganz andere Hausnummer, da misst man sich mit noch besseren Spielerinnen. Ich denke da natürlich nicht täglich dran, aber ein Stück weit vermisst man es schon.

Im Sommer hätten Sie auch wie einige andere Ex-Kleenheimerinnen zur TSG Leihgestern wechseln können. Weshalb fiel der Entschluss pro HSG Gedern/Nidda?

Ich habe mich zurückbesonnen, wie das Jahr in Nidda war. Das war schon damals ein schönes Jahr, nach dem ich mit einem weinenden Auge weggegangen bin. Und natürlich war es auch die 3. Liga, ich wollte noch weiter auf diesem Niveau Handball spielen. Das Umfeld bei der HSG hat mir ohnehin von Anfang an gefallen, die Mannschaft, der Trainer – da habe ich gesagt, dass ich die weitere Strecke und den größeren Zeitaufwand nochmals auf mich nehmen möchte.

Wie groß ist der Anteil des Auftaktsieges gegen Fritzlar am Erfolgslauf?

Ganz groß. Wir wussten, dass Fritzlar ein Titelkandidat ist, sie sind in der 3. Liga schon jahrelang ganz oben dabei. Dieser Sieg hat bei uns eine Euphorie freigesetzt.

Blicken wir auf Sonntag. Spitzenspiel, Gedern/Nidda Erster, Kleenheim Zweiter. Das war so nicht zu erwarten, oder?

Nein, nicht unbedingt. Ich dachte bei Kleenheim schon, dass sie oben mitspielen, weil die erste Sechs alles erfahrene Spielerinnen sind. Im Rückraum haben alle mindestens schon in der 2. Liga gespielt, Katharina Wagner am Kreis ebenfalls. Die habe ich also schon da oben gesehen. Dass wir da oben stehen, ist cool (lacht). Hätte mir das vor der Saison jemand gesagt, hätte ich ihn gefragt, ob er verrückt ist.

Wie sehr fiebert die Mannschaft diesem Spiel entgegen?

Als Sportler gibt es natürlich nichts Schöneres, als ein Spitzenspiel zu haben. In der 3. Liga hatte es von unserer Mannschaft noch keiner, somit ist das etwas ganz Besonderes. Wir wollen das Spiel natürlich über unseren Kampf gewinnen. Auch wenn wir auf Platz eins stehen, ist Kleenheim aufgrund seiner Erfahrung für mich der Favorit. Aber das schreckt uns nicht ab.

Worauf wird es denn ankommen, um auch in Kleenheim zu bestehen?

Unsere Abwehr muss so stehen wie in den anderen Spielen. Wir müssen den Rückraum und dessen Zusammenspiel mit dem Kreis im Griff haben und die gute erste Welle von Kleenheim unterbinden.

Quelle: Gießener Anzeiger (25.11.2017)