HSG Gedern/Nidda unterliegt TV Beyeröhde-Wuppertal

NIDDA – Zweites Spiel, zweite Niederlage: Bei der Heimpremiere in der 2. Bundesliga schlagen sich die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda vor 500 Zuschauern im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr wacker, bleiben allerdings ohne den Hauch einer Chance. Gegen den TV Beyeröhde-Wuppertal kassiert der Aufsteiger eine deutliche 24:35 (13:18)-Niederlage und erhält eine Lehrstunde in Sachen Tempospiel.

HSG Gedern/Nidda – TV Beyeröhde-Wuppertal 24:35

„Wir müssen lernen, mit solchen Niederlagen umzugehen. Das gehört in dieser Spielklasse einfach dazu“, befand HSG-Trainer Christian Breiler. Zieht man die Indizien des ersten Heimauftritts heran, ist davon auszugehen, dass sich seine Mannschaft dessen vollauf bewusst ist, dass sie bereit ist, an solchen Spielen und auch an deutlichen Pleiten zu wachsen. Eine Szene mit Symbolcharakter: Zweieinhalb Minuten vor Schluss liegt der Neuling mit 21:34 hinten, dennoch rudert Spielführerin Sabine Eisenacher mit den Armen, treibt ihre Mannschaft an. Derlei Momente zeigen, dass die Moral intakt ist. Auch Mittelfrau Hannah Niebergall meinte: „Kämpferisch war das eine gute Leistung.“

Nicht zuletzt in Anbetracht der gerade im Rückraum arg dünnen Personaldecke. Denn dort summierten sich die Ausfälle. Routinier Johanna Becker fehlte urlaubsbedingt, Hanna Rösner musste aus gesundheitlichen Gründen passen. Als wäre dies nicht schon genug, folgte nach 18 Minuten der nächste herbe Rückschlag: Die Rückraumlinke Kristin Amos sah die rote Karte. „Schlimmer“, fand Niebergall, „hätte es uns für den Rückraum nicht treffen können.“ Kirsten Schindler resümierte: „Mit so wenigen Rückraumspielerinnen war es dann schwer.“ Amos hatte Beyeröhdes Michelle Stefes beim Gegenstoß zum 5:11 leicht berührt. Eine berechtige Rote Karte? „Es war eine 50:50-Entscheidung, man kann die Rote Karte schon geben. Ich fand es allerdings ein bisschen zu hart“, sagte HSG-Coach Breiler. Der danach zum Improvisieren gezwungen war. Sabine Eisenacher wechselte von halbrechts auf halblinks, Kirsten Schindler agierte fortan im rechten Rückraum statt auf Rechtsaußen. Beide mussten mangels Alternativen auf den Halbpositionen 60 Minuten durchspielen.

Früh lief die HSG einem Rückstand hinterher, der sukzessive anwuchs. Nur in den ersten Minuten schafften es die Wetterauerinnen, Beyeröhde in den Positionsangriff zu zwingen. Danach schlichen sich im Angriff vermehrt Fehlpässe und Ballverluste ein. Und selbst wenn die Breiler-Sieben schnell in die Defensivbewegung überging, fanden die Gäste im erweiterten Gegenstoß immer wieder spielerisch ansprechende Lösungen. Die Wuppertalerinnen, das muss man so realistisch einordnen, spielen schlichtweg in einer anderen Liga als die HSG. Das Tempospiel des TVB war eine Augenweide, insgesamt 17 Treffer fielen in der ersten und zweiten Welle oder nach schnellen Anstößen. „Dieses Tempo“, sagte Breiler, „können wir noch nicht mitgehen.“ Die starke Mittelfrau Ramona Ruthenbeck stellte in der 23. Minute auf 8:16. Mit einem starken Schlussspurt schaffte es die HSG allerdings, auf das Pausen-13:18 zu verkürzen.

Auch nach Wiederbeginn wehrte sich die Spielgemeinschaft nach Kräften, hielt den Rückstand bei fünf, sechs Toren. Doch ab Mitte der zweiten Hälfte machte sich der Substanzverlust deutlich bemerkbar, die Ballverluste häuften sich – und wurden von Beyeröhde gnadenlos bestraft. Das Gegenstoß-17:27 (46.) durch Linksaußen Stefes bedeutete den ersten zweistelligen Rückstand. Doch selbst danach bejubelten die Wetterauerinnen jedes Tor, jede gelungene Aktion, jede Parade der ordentlich haltenden Torfrau Sandra Elisath.

Gästecoach Martin Schwarzwald formulierte anerkennend: „Gedern/Nidda hat aufopferungsvoll gekämpft und sich nicht aufgegeben. Die Stimmung in der Halle war sensationell. Wenn das die Saison über so bleibt, wird die HSG viel Spaß in der Liga haben.“ Die Baustellen sind klar: Der Aufsteiger muss seine Fehlerrate im Angriff deutlich reduzieren, die Chancenverwertung (25 Fehlwürfe) muss besser werden, ebenso muss das Umschaltspiel schneller vonstattengehen. Allesamt Prozesse, die Zeit benötigen.

Schindler ist sicher: „Wenn wir so weitermachen, können wir gegen Mannschaften, die weiter unten stehen, Punkte holen.“ Und auch Trainer Breiler sagt: „Ich bin überzeugt, dass wir es zuhause dem einen oder anderen Gegner schwer machen können.“ Zunächst einmal ist die HSG Gedern/Nidda am nächsten Samstag aber auswärts beim VfL Waiblingen gefordert.

Quelle: Kreis-Anzeiger (17.09.2018)