Zehnminütiger Aussetzer bringt HSG Gedern/Nidda um besseres Ergebnis

Nidda/Waiblingen (flo). Waiblingen, so heißt es, ist eine der schönsten Fachwerkstädte Süddeutschlands. Für die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda war die nur wenige Kilometer von Stuttgart entfernte Stadt allerdings keine Reise wert. Denn auch im dritten Anlauf gelang es dem Aufsteiger nicht, seine ersten Punkte in der 2. Bundesliga zu holen. Dem VfL Waiblingen unterlag die Mannschaft von Trainer Christian Breiler mit 22:28 (9:10).

VfL Waiblingen – HSG Gedern/Nidda 28:22

Ein bisschen angeknackst wirkte der 41-Jährige am Tag danach schon. Das hatte vor allem mit der Art und Weise, wie diese dritte Saisonniederlage zustanden kam, zu tun, es war eine Kopie des Zwickau-Spiels. Wieder leisteten sich die Wetterauerinnen in der zweiten Hälfte einen mehrminütigen Blackout, wieder brachten sie sich mit viel zu vielen Fehlern im Angriff um jede Chance auf ein Erfolgserlebnis. Das veranlasste HSG-Coach Breiler, eine klare Botschaft zu formulieren: „Wir müssen sehen, dass wir das schleunigst abstellen. Denn wenn wir so weitermachen, werden wir keinen Punkt holen.“ Das Bundesliga-Unterhaus, so scheint es, bringt beim Neuling erste Katererscheinungen mit sich.

Dabei lief es in der ersten Hälfte und insgesamt in der Deckung recht ordentlich. Von einem 0:4-Start (7.) ließen sich die Gäste nicht beirren, gestalteten das vor der Pause recht torarme Spiel in der Folge völlig ausgeglichen. Das war insbesondere der Defensive zu verdanken: Die 6:0-Formation arbeitete im Zusammenspiel mit der diesmal von Beginn an eingesetzten Torfrau Sandra Elisath gut, hatte Waiblingens starken Rückraum weitgehend im Griff. Und wäre da nicht die miserable Chancenverwertung gewesen, hätte Gedern/Nidda zur Pause eigentlich führen müssen, statt knapp mit 9:10 zurückzuliegen.

Auch Durchgang zwei begann vielversprechend. Die Rückraumlinke Kristin Amos besorgte in der 33. Minute den 11:11-Ausgleich. Die Spielgemeinschaft war also in der Spur. Und verließ diese aus unerfindlichen Gründen von einer Minute auf die andere. Im Angriff beraubte sich die Breiler-Sieben selbst aller Möglichkeiten. Plötzlich wollte man mit schnellen, völlig überhasteten und unvorbereiteten Abschlüssen Torerfolge erzwingen, bugsierte den Ball zudem aus Hilflosigkeit immer wieder erfolglos an den Kreis. Die Strafe war ein ums andere Waiblinger Gegenstoßtor, so dass der VfL mit einem 6:0-Lauf erst auf 17:11 (41.) und dann sogar auf 19:12 (44.) davonzog. Zwischendurch hatte Breiler bereits versucht, mit einer Auszeit gegenzusteuern – ohne Erfolg. „Da hat sich ein Fehler an den anderen gereiht, wir haben zu viele falsche Entscheidungen getroffen und hatten vorne keinen Rhythmuswechsel drin“, ärgerte sich der HSG-Trainer, dass seine Mannschaft trotz der vielen Gegenstoßtreffer immer wieder in Tempo und Hektik verfiel, statt Ruhe und Struktur in die Angriffsbemühungen zu bringen. „Da fehlt uns auf dem Spielfeld jemand, der den Hut aufhat und das Spiel lenkt“, analysierte Breiler.

Der Aufsteiger bäumte sich jedoch auf, zeigte eine Reaktion. Als es kurzzeitig gelang, die Fehler im Offensivspiel abzustellen, fand man in die Partie zurück. Linksaußen Isabell Schüler vollendete einen 4:0-Lauf zum 17:20-Anschluss (48.). Zwei weitere Male kam die HSG auf drei Treffer heran, letztmals durch Rechtsaußen Kirsten Schindler beim 19:22 (53.). Dann stellten sich wieder die altbekannten Ballverluste ein, vielleicht war es in dieser Phase und nach der Aufholjagd auch eine Frage der Kraft. Mit Gegenstößen enteilte Waiblingen jedenfalls auf 27:20 (57.) und tütete so den Heimsieg ein.

Kellerduell mit Bremen

„Wir haben das Spiel im Prinzip innerhalb von zehn Minuten verloren. Und das nicht, weil der Gegner auf einmal überragend gespielt hat, sondern wir sind selbst schuld daran, es so schnell und so einfach aus der Hand gegeben zu haben. Das ist schon ärgerlich“, konstatierte Breiler. „Wir müssen lernen, den Ball nicht so schnell herzugeben, und es schaffen, das Spiel mal in die Crunchtime zu bekommen.“ Die nächste Gelegenheit dazu besteht bereits am nächsten Samstag (18 Uhr), wenn Werder Bremen in der Gymnasiumhalle zu Gast sein wird.

Quelle: Kreis-Anzeiger (24.09.2018)