Top-Team-Wochen gehen in dritte Runde

GEDERN/NIDDA (flo). Als David gegen den Goliath – das steht für die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ohnehin auf der Tagesordnung. Derzeit allerdings in ganz besonderem Maße. Denn

Samstag, 18 Uhr, HSG Gedern/Nidda – HL Buchholz 08-Rosengarten

die Top-Team-Wochen gehen für die Wetterauerinnen in die dritte Runde. Nach den deutlichen Pleiten gegen Spitzenreiter Ketsch und den Rangvierten Mainz gibt am heutigen Samstag (18 Uhr) mit den HL Buchholz 08-Rosengarten der amtierende Meister und aktuelle Tabellenzweite seine Visitenkarte in der Gymnasiumhalle Nidda ab.

Ein Highlight? Oder doch eher eine Belastung? „Für uns ist eigentlich jedes Spiel in dieser Liga ein Highlight“, findet Trainer Christian Breiler. „Dass wir diese Teams jetzt direkt hintereinander haben, ist aus meiner Sicht egal. Irgendwann müssen wir so oder so gegen sie spielen.“ Dennoch dürfte man bei der Spielgemeinschaft froh sein, wenn man sich nach dieser Begegnung mal wieder mit Gegnern misst, die sich tabellarisch auf Augenhöhe bewegen. Etwa mit der TG Nürtingen (1. Dezember) oder dem TuS Lintfort (9. Dezember).

Die Marschroute für das Duell mit den Nordniedersächsinnen liegt auf der Hand: Sich deutlich besser präsentieren als vor sieben Tagen bei der 19:39-Abfuhr in Mainz, bloß nicht direkt wieder derart massiv unter die Räder geraten. Als Ansatzpunkt sollte die insbesondere im ersten Durchgang sehr gute Leistung bei der Heimniederlage gegen Ketsch dienen. „Ich hoffe“, sagt HSG-Coach Breiler, „dass wir zuhause richtig Gegenwehr zeigen.“

Problematisch ist, dass der Aufsteiger extreme Ausschläge in seinen Darbietungen hat – von mitreißendem Tempohandball bis zu Totalausfällen. Stabilität fehlt bislang. „Wir sind noch nicht fähig, ein gewisses Grundniveau zu halten“, analysiert Breiler. Und weiß, dass genau das eine der Hauptaufgaben dieser Saison ist. Die Crux: Dazu benötigt die HSG einen kontinuierlichen Trainingsbetrieb auf hohem Niveau. „Wir kommen übers Kollektiv, müssen dafür viel trainieren“, sagt der Trainer. Daran ist momentan aber nicht zu denken, Verletzungen, Krankheiten und berufsbedingte Fehlzeiten verkomplizieren den Fortschritt.

Für Samstagabend sind gleich vier Spielerinnen fraglich. Rückraumspielerin Sabine Eisenacher (Erkältung) kann höchstens gesundheitlich lädiert mittun. Bei der Halblinken Kristin Amos (angeschlagen), Kreisläuferin Jessica Schmeißer (Virusinfektion) und Linksaußen Carmelina Mulch (Entzündung) entscheidet sich ein Einsatz erst kurzfristig, alle drei mussten den Großteil der Trainingswoche aussetzen.

„Es war schlichtweg nicht möglich, an mehr Konstanz im Rückraum zu arbeiten“, hadert Breiler. Denn gerade in der Schaltzentrale muss das Zusammenspiel verbessert werden, müssen Auslösehandlungen verfeinert werden. Um kompakte Abwehrreihen in Bewegung zu bringen. Um mehr Durchschlagskraft zu entwickeln. „Wir müssen aus der zweiten Reihe und von verschiedenen Positionen torgefährlich werden“, betont der HSG-Coach. Der Blick richtet sich deshalb insbesondere auf die eigene Performance.

Zumal der Gegner – realistisch betrachtet – ohnehin außer Reichweite ist. Für diese Feststellung genügt ein Blick auf die Zahlen: In den letzten vier Jahren landeten die Handball-Luchse zweimal auf Platz eins (2017/18, 2014/15), wurden 2016/17 Vizemeister und spielten 2015/16 in der 1. Liga. Keine Frage: Buchholz-Rosengarten zählt zur Creme de la Creme des Bundesliga-Unterhauses, zur absoluten Elite dieser Spielklasse. Dass der amtierende Meister dieses Jahr nicht in der Beletage spielt, hängt mit der wirtschaftlichen Situation zusammen. Ein Erstligaetat ließ sich schlichtweg nicht stemmen.

Also gehen die Luchse weiterhin in Liga zwei auf Beutezug – und das überaus erfolgreich. Sechs Spiele, sechs Siege, 12:0 Punkte, Platz zwei. Schwachpunkte gibt’s bei den Niedersächsinnen im Grunde nicht. Breiler erklärt: „Sie spielen eine aggressive und offensive 6:0- oder 5:1-Abwehr, sind im Rückraum von jeder Position sehr torgefährlich und wurfstark und spielen 60 Minuten lang Tempo.“ Ein wahrer Goliath also, der da auf die HSG Gedern/Nidda zukommt.

Quelle: Kreis-Anzeiger (17.11.2018)