Zweifelsfrei im siebten Himmel

3. LIGA Vier Spiele, vier Siege: Frauen der HSG Gedern/Nidda grüßen von Tabellenspitze

GEDERN/NIDDA – (flo). Tobias Fischer konnte trotz der Niederlage lächeln. Und einen lockeren Spruch hatte der Trainer der TSG Eddersheim auch noch auf den Lippen. „Der Christian“, sagte Fischer also, „muss jetzt aufpassen, dass es ihm nicht so ergeht wie uns im letzten Jahr.“ Adressat dieser Botschaft: Christian Breiler, seines Zeichens Trainer der Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda. Jenes Clubs also, der nach vier Spielen die Tabellenspitze der 3. Liga Ost ziert.

Was Eddersheims Coach damit meinte? Letztes Jahr rauschte seine Mannschaft schnurstracks ans obere Ende des Klassements. Mit derlei Zukunftsszenarien beschäftigen sie sich in der Wetterau freilich noch nicht. Im siebten Himmel schwebt die HSG nach vier Siegen aus vier Spielen aber zweifelsfrei.

Es ist durchaus wundersam, wie erfolgreich Sabine Eisenacher & Co. derzeit unterwegs sind. Trotz des Umbruchs vor der Saison. Trotz einer stark verjüngten Mannschaft. Und so schreibt diese HSG derzeit schöne Geschichten. Etwa jene von Anne Heß, der gerade einmal 19 Jahre alten Torhüterin, die in der vergangenen Spielzeit noch für die Bezirksliga-A-Jugend der HSG Oberhessen sowie für die in die Bezirksliga B abgestiegene zweite Mannschaft der Oberhessinnen spielte. Und nun ist Heß plötzlich die erste Keeperin eines Drittligisten, strahlt trotz mutmaßlicher Nervosität nach außen hin Gelassenheit aus und legt Spiel für Spiel eine zweistellige Anzahl an Paraden auf, hält dabei das, was man halten muss, und dazu den einen oder anderen Bonuswurf. Oder die Geschichte von Hanna Rösner, letztes Jahr bei einem Landesligaabsteiger zugange, dieses Jahr unumstrittene Leistungsträgerin im Innenblock der HSG Gedern/Nidda. Und das mit gerade einmal 20 Jahren. Vor dem Auftaktspiel gegen Fritzlar, so erzählte es unlängst Trainer Breiler, sei Rösner derart nervös gewesen, dass sie ab 6 Uhr in der Früh keinen Schlaf mehr gefunden hätte. Dass die Abwehr der Wetterauerinnen beim 21:20-Sieg gegen Eddersheim auch nach der Disqualifikation von Leonie Nowak stand und ein starkes Blockspiel zeigte, war selbstverständlich nicht nur, aber eben auch Rösners Verdienst. Genauso wie der Eisenachers. Dass die Rückraumspielerin, die eigentlich auf der Halb- oder Außenposition deckt, plötzlich im Innenblock aushelfen musste, war eher aus der Not heraus geboren. Jessica Schmeißer, die jedoch verletzt ausfällt, oder Jasmina Camdzic, die nach ihrem USA-Aufenthalt zeitnah zurückkehren wird, wären die eigentlichen Alternativen. Zwischenzeitlich hatte es die HSG auch mal mit einer offensiven Abwehr probiert, wollte mit der 6:0-Deckung jedoch keine Räume für die schnellen Eddersheimer Rückraumspielerinnen bieten.

Und auch die Personalie Nikolett Nagy bietet Erzählstoff. Weil die nominelle Linksaußen Isabell Schüler aufgrund eines geprellten Jochbeins zuschauen musste, bespielte die Ungarin die linke Außenbahn. Und avancierte mit sechs Toren (davon ein Siebenmeter) zur besten Torschützin. Ein Sonderlob des Trainers gab’s obendrauf: „Niko hat das in der Abwehr, obwohl das nicht zu ihren Stärken gehört, und im Angriff gut gemacht.“ Auch über die Leistung der Rückraumrechten Johanna Becker freute sich Breiler: „Johanna hat den Platz auf halbrechts genutzt und wichtige Tore gemacht. Bei ihr ist es immer es zwischen Genie und Wahnsinn, dieses Mal war es mehr Genie.“ Beckers Statistik in der Schlussviertelstunde: Zwei Tore, zwei herausgeholte Siebenmeter, eine Vorlage.

350-Kilometer-Trip

Zum vierten Mal in Folge hat Gedern/Nidda nun eine Partie in der Schlussphase zu seinen Gunsten entschieden. Das spricht erstens für eine hervorragende körperliche Konstitution und zeugt zweitens von ausgeprägtem Selbstvertrauen. Man darf gespannt sein, wie lange dieser Höhenflug anhält. Am nächsten Samstag steht jedenfalls die nächste weite Reise an. Die HSG Gedern/Nidda wird dann beim mit 6:2 Punkten gestarteten SC Markranstädt zu Gast sein. Einfache Strecke: Etwa 350 Kilometer.

Quelle: Kreis-Anzeiger (17.10.2017)