„Es ist eine außergewöhnliche Geschichte“

Gedern/Nidda. Die Hinrunde der Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda in der 3. Liga Ost war ebenso mitreißend wie grandios. Selbst kühnste Optimisten hätten den Wetterauerinnen eine solche Halbserie nicht zugetraut. Die HSG überwintert auf dem 1. Tabellenplatz, hat in elf Spielen neunmal gewonnen und nur einmal verloren, kommt deshalb sogar in die unverhoffte Situation, sich Gedanken über die 2. Bundesliga machen zu müssen. Trainer Christian Breiler, einer der Macher des Erfolgs und nun schon über sieben Jahre in Diensten der Spielgemeinschaft, bleibt demütig, macht aber auch keinen Hehl daraus, den erarbeiteten Platz möglichst lange halten zu wollen. Im Interview mit dem Kreis-Anzeiger spricht der 40-Jährige über die Erfolgsgründe, den Geist seiner Mannschaft und die weiteren Ziele.

Herr Breiler, haben Sie es über die Feiertage und zwischen den Jahren geschafft, die Hinrunde sacken zu lassen und zu realisieren?

Die Weihnachtszeit ist dann auch etwas stressig. Natürlich sind wir mal nicht in der Halle, müssen uns auf kein Spiel vorbereiten. Klar, man hat es sich dann mal durch den Kopf gehen lassen. Unsere Vorrunde war sensationell, es ist eine außergewöhnliche Geschichte.

Im Laufe der Hinrunde wurde viel über die Gründe für den Erfolg geredet. Manche setzen im mentalen Bereich an, andere bei der Vorbereitung, wieder andere bei der Abwehr. Mit etwas Abstand: Warum lief die Hinrunde aus Ihrer Sicht so, wie sie lief?

Man kann es nicht an einem Faktor festmachen, das wäre zu einfach. Es sind verschiedene Faktoren. Grundstock ist mit Sicherheit die Abwehr in Zusammenarbeit mit Anne Heß im Tor, die eine richtig gute Vorrunde gespielt hat. Dass der neue Mittelblock sich so gut einspielt, damit war nicht zu rechnen. Aber das bezieht alle in der Abwehr mit ein. Bis auf das Spiel gegen Ober-Eschbach haben wir kaum Gegenstoßtore kassiert und aus einer stabilen Abwehr heraus jeder Mannschaft das Leben im Positionsangriff schwer gemacht. Dazu kam der Überraschungssieg gegen Fritzlar am 1. Spieltag, der Auftrieb und Selbstvertrauen gegeben hat. Das hat man dann auch in den anderen Spielen, wenn es mal eng war, gemerkt. Wir sind in einen Lauf reingekommen, wo manches von alleine ging.

Nicht alle Spiele waren perfekt, aber die Mannschaft, so scheint es, hat sich eine gewisse mentale Robustheit zu eigen gemacht.

Ja klar, das ist der normale Lauf der Dinge. Wenn du vorne stehst, anstatt gegen den Abstieg zu kämpfen, hast du positiven Druck. Das Selbstvertrauen und der Glaube an die eigene Stärke steigen. Dann gewinnt man auch Spiele wie gegen Leipzig, die fast schon verloren sind. Man wächst mit dem Wissen, dass trotz einer eventuellen Niederlage nichts passiert und man selbst dann immer noch Tabellenführer wäre, in der einen oder anderen Situation über sich hinaus, damit kann man Berge versetzen. Damit hat so ja keiner gerechnet.

Woran wollen Sie mit Ihrer Mannschaft noch schwerpunktmäßig arbeiten?

Wir müssen erstmal sehen, dass die Verletzten ohne Rückschläge zurückkommen und eingebaut werden können. Dann wollen wir natürlich daran arbeiten, dass wir verschiedene Abwehrsysteme spielen können und vielleicht auch mal in Unterzahl das Thema sechster Feldspieler forcieren, eventuell sogar den siebten Feldspieler angehen.

Die Menschen in der Region honorieren die Leistung, strömen in die Halle.

Das macht natürlich Spaß. Man wird häufiger angesprochen – auch von Leuten, die nicht in die Halle kommen oder das erste Mal da waren. Das ist aber normal. Wenn man Erfolg hat, ist das Interesse deutlich größer, als wenn man nur gegen den Abstieg spielt. Es waren natürlich auch begeisternde Spiele. Gegen Fritzlar oder gegen Leipzig – das war gigantisch. Die Mädels präsentieren guten Sport.

Quelle: Kreis-Anzeiger (03.01.2018)