Bei FSV Mainz kassiert HSG Gedern/Nidda derbe Schlappe

MAINZ/NIDDA (flo). Autsch! Das war eine bitterböse Lektion für die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda. Im Zweitliga-Nachbarschaftsduell beim Tabellenvierten 1. FSV Mainz 05 handelte sich der Aufsteiger mit einer schwachen Leistung eine haushohe 19:39 (7:13)-Klatsche ein.

FSV Mainz 05 –
HSG Gedern/Nidda 39:19

Nein, die Duelle mit den Top-Teams dieser Spielklasse sind für die Wetterauerinnen bislang wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Beyeröhde, Kurpfalz Bären, nun Mainz – gegen all diese Teams setzte es Pleiten mit zweistelliger Differenz. Überraschend ist dies freilich nicht. Gegen solche Gegner, die von ihrem sportlichen Potenzial her an der Beletage kratzen, ist die HSG mit ihren Möglichkeiten meilenweit unterlegen. Da werden klare Grenzen aufgezeigt und offenbaren sich schlichtweg Klassenunterschiede. Dennoch: Dass Gedern/Nidda im Rheinhessischen derart sang- und klanglos untergehen würde, damit war nicht unbedingt zu rechnen.

Wütende Kritik des Trainers? Blieb vollständig aus. Trotz der 20-Tore-Fracht war Christian Breiler spürbar darauf bedacht, sich an diesem rabenschwarzen Tag vor seine Mannschaft zu stellen. „Die 2. Liga ist für uns ein riesiges Abenteuer“, bemühte sich der 41-Jährige um eine sachliche Einordnung. „Eine solche Niederlage kann uns in dieser Saison noch das eine oder andere Mal passieren. Damit müssen wir umgehen und dürfen uns nicht unterkriegen lassen.“ Rückraumspielerin Sabine Eisenacher befand lakonisch: „Da war einfach nichts drin, wir haben einfach schlecht gespielt. Wir müssen das abhaken und weitermachen, nicht groß enttäuscht sein oder rumheulen.“

Obwohl sich der Rückstand zur Pause noch im Rahmen hielt, war es bereits im ersten Durchgang kein guter Auftritt der Gäste. Die anfangs versuchte 5:1-Abwehr arbeitete ordentlich, gab dem Mainzer Rückraum aber häufig zu viel Raum, seine enorme Qualität auszuspielen. „Egal wer, das wären bei uns alle unumstrittene Stammspielerinnen“, stellte Breiler mit Blick auf die FSV-Aufbaureihe klar. Wirklich problematisch aber war das Angriffsspiel: Zu langsam, zu statisch, zu individuell. Die HSG fand überhaupt keinen Spielrhythmus, strahlte aus dem Rückraum keinerlei Torgefahr aus, kam aber auch nicht in die Nahtstellen, weil sie den körperlich überlegenen 6:0-Abwehrriegel des Gastgebers nicht in Bewegung brachte.

Drei Tore nach 20 Minuten und deren sieben nach einer halben Stunde sprachen Bände. Weil Mainz nach der 9:3-Führung (17.) ein gutes Stück nachließ, veränderte sich der Abstand bis zum Pausen-13:7 nicht mehr.

Nach Wiederbeginn brachen dann alsbald alle Dämme. Erst wuchs der Rückstand, weil Gedern/Nidda gute Möglichkeiten zum Verkürzen ungenutzt ließ. Dann fiel das Breiler-Team völlig auseinander, agierte hinten zu passiv und war vorne völlig von der Rolle. Mainz hingegen spielte mit viel Tempo und Konsequenz, verdoppelte den Vorsprung binnen zehn Minuten und lag nach zwei Treffern in doppelter Unterzahl mit 24:11 (40.) vorne. Dass sich FSV-Coach Thomas Zeitz während des Spiels im lockeren Plausch mit Zuschauern über das Spiel der Bayern in Dortmund erkundigte, war das vielleicht beste Indiz für die Einseitigkeit dieses Duells.

Dass bei der HSG Gedern/Nidda rein gar nichts funktionierte, war das eine. Dass sie sich nach der Pause stellenweise apathisch und ohne Gegenwehr abschießen ließ, das andere. „Ich will der Mannschaft gar keinen Vorwurf machen, dass wir uns aufgegeben hätten“, nahm Breiler sein spielendes Personal in Schutz. „Wir müssen halt einfach lernen, dass wir in einer Phase, in der wir mit zehn Toren hinten liegen, nicht aufhören, Handball zu spielen. Das machen wir noch zu sehr.“ Angesichts von fast einhundert mitgereisten Anhängern sagte der HSG-Coach: „Es ist ein bisschen schade, dass wir unseren Zuschauern so ein Spiel präsentiert haben, das hat mir leidgetan.“

Klar ist, dass die Wetterauerinnen dieses Katastrophenspiel ganz schnell aus den Köpfen verdrängen müssen. Denn einfacher wird es nicht: Am nächsten Samstag kommt der verlustpunktfreie Vorjahresmeister HL Buchholz 08-Rosengarten in die Gymnasiumhalle.

Quelle: Kreis-Anzeiger (12.11.2018)