HC Rödertal hat in Nidda leichtes Spiel

NIDDA – Im Grunde hat dieses letzte Spiel vor der Weihnachtspause die bisherige Saison der Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda ziemlich gut zusammengefasst. Mal hui, mal pfui – schlichtweg zu viel Auf und Ab. Weil gegen den HC Rödertal ganz klar die schwachen Phasen dominierten, ging der Aufsteiger leer aus. Letztlich leuchtete eine 24:29 (13:15)-Niederlage auf der Anzeigetafel. Damit überwintert die HSG in der 2. Bundesliga auf einem Abstiegsplatz.

HSG Gedern/Nidda –
HC Rödertal 24:29

Lust, das zu Ende gehende Jahr sportlich Revue passieren zu lassen, verspürte Christian Breiler nicht. Wer wollte es dem Trainer des heimischen Zweitligisten verdenken? Schließlich war diese Heimpleite in höchstem Maße unnötig. Insbesondere: Sie war einzig und allein das Resultat der eigenen Defizite, das Ergebnis einer über etwa 50 Minuten schlechten und viel zu fehlerbehafteten Angriffsleistung. „Wir haben uns selbst im Weg gestanden“, brachte es der HSG-Coach auf den Punkt.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Die Mischung aus einer guten Deckungsleistung und simplen Fehlern der Gäste aus Sachsen eröffneten der Spielgemeinschaft immer wieder die Chance zum schnellen Umschalten. Und das nutzte sie aus, erspielte sich so mit recht einfachen Mitteln schnell eine klare Führung. Die starke Rückraumspielerin Kristin Amos stellte per Siebenmeter auf 5:0 (8.), die Halbrechte Sabine Eisenacher erhöhte in der zweiten Welle sogar auf 7:1 (11.). Elf Minuten wie aus einem Guss, elf Minuten zum Augenreiben.

Was dann geschah, lässt sich kaum begründen. Während Rödertal seine Fehlerrate nach einer Auszeit deutlich herunterschraubte, verlor Gedern/Nidda in vier aufeinanderfolgenden Angriffen das Harzleder, ohne überhaupt einmal aufs Tor geworfen zu haben. Die Folge: Schnell war der HCR wieder im Spiel, hatte sich durch Gegenstoßtreffer auf 6:7 (15.) herangearbeitet und war beim 8:8 (19.) wieder gleichauf. „Da kannst du auf der Bank verrückt werden“, sagte Breiler.

Rödertal musste keineswegs glänzen, um diese Begegnung zu drehen. Es genügte, den Kontrahenten in den Positionsangriff zu zwingen. Denn dort – das muss man so deutlich konstatieren – machte Gedern/Nidda ziemlich zuverlässig Fehler. Was Rödertal eiskalt mit Gegenstößen bestrafte. Insgesamt zwölf solcher Treffer erzielten die Sächsinnen. Eine Zahl, die Bände spricht. Gerade für die schnelle und sehr treffsichere Linksaußen Jessica Jander (elf Tore) geriet diese Partie so zu einem Festtag.

Sechste Feldspielerin

Als es die HSG in Unterzahl mit der sechsten Feldspielerin versuchte, landete der Ball nach einem technischen Fehler und einem Fehlwurf zweimal im verwaisten Tor. Daraus resultierte beim 11:12 (25.) der erste Rückstand, der bis zur Pause auf 13:15 anwuchs.

Besser wurde es auch in der zweiten Hälfte nicht mehr. Dass die Wetterauerinnen trotz ihrer vielen Fehler lange dran blieben, ist ein Beweis dafür, dass Rödertal schlagbar gewesen wäre. Der große Unterschied: Der HCR nutzte die Fehler des Gegners, Gedern/Nidda tat dies nicht. Szenen mit Symbolcharakter gab es zuhauf. Etwa jene, als sich Hanna Rösner bei einer Umschaltaktion ohne Not verdribbelte und Rödertal per Gegenstoß mit 16:15 (36.) in Führung ging. Oder diese, als sich Sabine Eisenacher kopflos in der Deckung festrannte, ein Notabspiel beim Gegner landete und dieser seinen Vorsprung auf 18:16 (41.) ausbaute. „Bei dieser Anzahl an einfachen und vermeidbaren Fehler ist es einfach schwierig, ein Spiel zu gewinnen“, haderte Breiler.

Souverän brachte Rödertal den Vorsprung in der Schlussviertelstunde über die Ziellinie, ohne nochmal in die Bredouille zu geraten. Die Gäste spielten ihre Angriffe solide aus, spätestens als die überragende Außenbahnakteurin Jander zum 21:26 (57.) einwarf, war die Partie entschieden. „Wenn wir Pech haben, geht dieses Spiel in eine andere Richtung“, wusste HCR-Trainer Frank Mühlner. „Am Ende sind wir dann aber auch gut genug, um das über die Bühne zu bringen.“ Oder der Gegner zu schwach, um eine Wende herbeizuführen.

Kreis-Anzeiger (17.12.2018)