HSG Gedern/Nidda setzt Runde fort

Gedern/Nidda (flo). Gemächlicher Start ins neue Jahr? Von wegen. Die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda sind im Abstiegskampf der 2. Bundesliga gleich gefordert. Der Januar hält richtungsweisende Begegnungen bereit. Das erste Spiel nach dem Jahreswechsel zählt freilich noch nicht dazu: Wenn die Wetterauerinnen am Samstag (18 Uhr, Stadtsporthalle Melsungen) beim Tabellenachten SG 09 Kirchhof gastieren, sind sie krasser Außenseiter.

Samstag, 18 Uhr
SG Kirchhof – HSG Gedern/Nidda

Bei der Frage, was er vom Gegner hält, muss Christian Denk nicht lange überlegen. „Spitze“, sagt Kirchhofs Trainer. „Ich bin begeistert von diesem Verein. Hut ab, dass sie den Schritt gegangen sind und den Aufstieg wahrgenommen haben. Alle haben gesagt, dass es gegen Gedern/Nidda ein Schützenfest wird. Aber sie haben ihre Hausaufgaben total gemacht, sind voll im Soll. Sechs Punkte sind für die HSG ganz große Klasse. Ich finde es sehr gut, wie sie das meistern.“ Denks Worte kommen nicht wie das branchenübliche Starkreden des Gegners daher, sie zeugen von der aufrichtigen Anerkennung für das, was gut 150 Kilometer weiter südlich mit weitaus bescheideneren Mitteln geleistet wird. Die logische Folge: „Wir nehmen den Gegner sehr ernst“, bekundet der SG-Trainer.

Im Oberhessischen sind sie sich trotz allen Lobes bewusst, „dass Kirchhof eine andere Liga ist“, wie Vorsitzender Martin Schindler klarstellt. Ein ganz akutes Beispiel: Die SG 09 bereitete sich mit einem dreitägigen Trainingslager und zwei Einheiten pro Tag auf die Rundenfortsetzung vor. Weil mehrere Spielerinnen mehr oder weniger Profis sind, ist das auch werktags darstellbar.

Für Gedern/Nidda wäre dies undenkbar, seit Mittwoch ist man wieder im Trainingsbetrieb. Zwölf freie Tage gestattete Christian Breiler seiner Mannschaft rund um Weihnachten und Silvester, lediglich im Kraft- und Ausdauerbereich wurde individuell ein wenig trainiert. „Für uns alle war es notwendig, mal abzuschalten und den Kopf freizubekommen, einfach mal aus der Halle raus zu sein“, betont der HSG-Coach. Freie Wochen hatte es schließlich zuvor seit einer kurzen Vorbereitungsunterbrechung Mitte Juli nicht mehr gegeben. Und auch die weitere Saison wird kräftezehrend: Bis zum 18. Mai stehen 18 Partien auf dem Programm, nur zwei Wochenenden werden spielfrei sein. „Wir mussten“, so Breiler, „vor allem mental Kraft tanken, um diese fünf Monate mit vielen Spielen so gut wie möglich durchzustehen.“

Im Hessenderby droht allerdings ein ungemütlicher Jahresauftakt. Die 29:48-Testspielklatsche vor dieser Saison dürfte den HSG-Ballwerferinnen, bei denen die über viele Wochen krankheitsbedingt ausgefallene Rückraumakteurin Johanna Becker wieder an Bord ist, in schlechter Erinnerung geblieben sein. „Wenn man sich in Kirchhof ergibt oder nur einen Funken nachlässt, wird man überrannt“, warnt Breiler. Gerade gegen das gnadenlose Tempospiel – ob in der ersten und zweiten Welle oder beim schnellen Anstoß – wird die Spielgemeinschaft Mittel finden müssen. Ebenso gegen die wurfgewaltige Rückraumlinke Diana Sabljak, letztes Jahr Zweitliga-Torschützenkönigin und auch in dieser Saison mit 110/41 Treffern an der Spitze der Rangliste.

Ausnahmespielerin

Trotz der kroatischen Ausnahmespielerin hinkt Kirchhof den eigenen Erwartungen hinterher. Die starke Rückrunde der Vorsaison hat Begehrlichkeiten geweckt, der Vorjahresaufsteiger, letztes Jahr Fünfter, wurde sogar mit der Bundesliga in Verbindung gebracht. Stattdessen überwinterte man mit 10:12 Punkten als Achter. „Wir hatten viel Euphorie, die Zuschauerzahlen sind gestiegen, die Leute sind begeistert, es lief perfekt. Im zweiten Jahr ist aber alles ein bisschen schwieriger“, sagt SG-Coach Denk. Die junge Mannschaft offenbart Schwierigkeiten mit der gestiegenen Erwartungshaltung, ruft ihre Fähigkeiten nicht konstant ab. „Wir müssen lernen, damit umzugehen“, sagt Denk. Kurzfristig, um Gedern/Nidda zu bezwingen. Langfristig, um die Bundesliga ins Auge zu fassen.

Quelle: Kreis-Anzeiger (05.01.2019)