Die zwei Seiten des Drucks

Gedern/Nidda (flo). Gelingt es, eine adäquate Antwort zu liefern? Nach dem schwachen Auftritt bei der 26:31-Heimpleite gegen die TG Nürtingen stehen die Zweitliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda in der Pflicht, am Sonntag (16 Uhr, Sporthalle Eyller Straße) im Kellerduell beim Mitaufsteiger und Drittletzten TuS Lintfort ein anderes Gesicht zu zeigen.

Sonntag, 16 Uhr
TuS Lintfort – HSG Gedern/Nidda

Beim Tabellenvorletzten aus dem Oberhessischen haben sie in den vergangenen Tagen ein wenig gerätselt. Wie kam diese dürftige Leistung gegen Nürtingen, die zu einer eigentlich vermeidbaren Niederlage führte, zustande? „Es wäre schön, wenn wir das wüssten. Es gibt sicher verschiedene Gründe“, meint HSG-Trainer Christian Breiler. Freilich, die schwierige Trainingssituation spielt eine Rolle. Trotz dieser hatte der Aufsteiger in den Wochen zuvor aber bewiesen, dass man es bedeutend besser kann. Hat es also auch etwas mit Druck zu tun? Breiler sagt: „Warum sollten wir uns in dieser Saison Druck machen? Wir sind der Underdog schlechthin, auch vom Verein gibt es keinen Druck.“ Das ist die eine Seite. Die andere: „Vielleicht setzen sich die Mädels selbst zu sehr unter Druck.“ Zumal das Selbstverständnis nach nun acht Niederlagen aus zehn Spielen naturgemäß etwas abhandengekommen ist. „Wir strotzen zurzeit nicht vor Selbstvertrauen. Für die Mannschaft ist die Situation mit den vielen Niederlagen neu“, gesteht der Trainer.

Dass ausgerechnet jetzt Konkurrenten wie Nord Harrislee oder Nürtingen fleißig punkten und sich etwas Luft verschaffen, kommt da reichlich ungelegen. Gedern/Nidda ist momentan gewiss noch nicht gefährdet, abgehängt zu werden. Dafür ist das Klassement viel zu eng beieinander. Doch die Wetterauerinnen müssen gleichermaßen achtsam sein, den Anschluss zu wahren. Dabei helfen nur Punkte. „Für den Klassenerhalt muss man schon in den Bereich um die 20 Punkte kommen. Da ist es egal, wie die anderen spielen, diese Punkte muss man erstmal holen“, bleibt Trainer Breiler gelassen.

Die Historie spricht zumindest nicht dafür, dass bereits in Lintfort weitere Zähler hinzukommen. Viermal reiste die Spielgemeinschaft bislang in die Klosterstadt am wesentlichen Rand des Ruhrgebiets, stets kehrte sie mit – zumeist sehr deutlichen – Niederlagen nach Hause zurück. „Es sollte unser Anspruch sein, wieder eine bessere Leistung als gegen Nürtingen abzurufen“, sagt Breiler vor dem fünften Aufeinandertreffen. „Es geht darum, dass wir uns in unseren Leistungen stabilisieren und verbessern.“

Mit welcher Besetzung das gelingen soll, ist noch unklar. Bis zu sechs Spielerinnen fehlten im Laufe dieser Woche im Training. Linksaußen Carmelina Mulch (Grippe) wird definitiv ausfallen, hinter Mittelfrau Stefanie Thiele (Kehlkopfentzündung) steht ein Fragezeichen. Bei Rückraumspielerin Johanna Becker, die gestern erstmals seit fast drei Wochen trainierte, reicht es allenfalls für einen Kurzeinsatz, Linksaußen Isabell Schüler (Schleimhautentzündung) ist zumindest nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Lintforts Heimstärke

Erschwerend kommt hinzu, dass Lintfort seine sechs bisherigen Saisonpunkte allesamt in der eigenen Halle gesammelt hat. Gegen Mainz 05 (37:34), Sachsen Zwickau (25:22) und Berlin (28:22) bewies der TuS seine Heimstärke. „Gerade zuhause versuchen sie, das Spiel schnell zu machen. Da muss man aufpassen, nicht unter die Räder zu geraten“, warnt Breiler.

Gegen Lintforts Oranje-Auswahl – sechs Niederländerinnen stehen unter Vertrag – muss seine Mannschaft insbesondere der Rückraumlinken Loes Vandewal Beachtung schenken: Die 24-Jährige, mit 77/34 Toren beste TuS-Werferin, ist spätestens seit dem schmerzhaften Ausfall der wurfgewaltigen Halblinken Naina Klein (Kreuzbandriss) der Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel.

Quelle: Kreis-Anzeiger (08.12.2018)